Willi hat sein Hobby zum Beruf gemacht
Nun, in der Motorradbranche ist das sicher- lich nicht außergewöhnlich, viele haben so ihren Einstieg gefunden. Und wahr- schiedlich ebenso viele beklagen, diese Karriere gewählt zu haben, denn nachJahren des Existenzkampfes ist es irgendwann kein Hobby mehr. AuchWilli betreibt seine Motorradschmiede bereits seit Jahren, aller- dings kann ich mir nur sehr schwer vor- stellen, daß er jemals das Interesse an sei- nem Steckenpferd verliert.
Die Konstanz und Passion, mit denen er in seine Projekte realisiert, sprechen eine deutliche Sprache: In den vergangenen zehn Lenzen bau- te der Spezialmotorrad-Liebhaber allein sieben Unikate seiner Lieblingsmarke auf, den französischen Moto Martins. Ein Besuch in Willis Bikeschmiede am Niederrhein offenbart den Grad seiner Sucht: Gesammelte Werke des Motorrad- baus hauptsächlich aus den Achtzigern und dazwischen auch mal komplett selbst konstruierte Kuriositäten.

Mein Blick bleibt an dieser klassisch zurechtgemach- ten 1983er Martin hängen. „Die habe ich gerade nach Kundenwunsch aufgebaut, ist soweit fertig, es fehlt nur die hintere Radabdeckung, und das Federbein wird noch überarbeitet,“ erklärt Willi. „Und was wurde gemacht?“, hake ich nach. Willi runzelt die Stirn, holt tief Luft und setzt zu einem nachmittagfüllenden Monolog an. Poppey Doyle Als Sammler luftgekühlter Vierzylinder wußte der Kunde genau, was er wollte. Zum Beispiel einen komplett getunten Saugmotor. Kein Problem für Willi, denn der Chef des Meisterbetriebs kann Willi auf eigenes Know-how sowie die Unter- stützung verschiedener Zulieferbetriebe in seiner Region zurückgreifen. Etwa dem Spezialisten für Strömungstechnik, bei dem er in mühevoller Sysiphosarbeit opti- male Gasströme und Brennraumprofile für das 11er Gixxer-Triebwerk erarbeiten konnte. Das Hubvolumen wurde durch größere Zylinderbohrungen erweitert. Kurbelwelle und Pleuel wurden überar- beitet und austariert.
Härteren Ventil- federn sollen ein Tänzeln der größeren Yoshimura-Ventile bei hohen Drehzahlen verhindern. Diese werden über scharfe Yoshi-Nockwellen gesteuert, Einlaßseitig wird an einer Bank 38er Mikuni-Flach- schiebern gesaugt, Auslaßseitig über eine Schüle 4-in-1-Racing-Anlage abgeblasen. Bodentsändiges Tuning mit beachtlichem Ergebnis: Auf dem Prüfstand wurden knapp 165 PS ermittelt... ...nicht schlecht für den luft-/ölgekühlten Block.
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